MEIN  DEUTSCHER  MANN

Liebeserklärung  an einen Exoten  

Auschnitte aus dem Buch: "Mein deutscher Mann" Exist, 2017 & WDR3 Kulturfeature  "Mein Deutscher Mann, ein Alien." 2014

                                                                                                     

                     

 

Mein deutscher Mann und   seine Ausländer

 

Sein Lieblingswitz:

Zu erst kommt Teufel nach Bosnien. „Ich bin ein Teufelchen, komme  mit meinem Köfferchen euch alles zu klauen“. Die Bosnier schauen ihn schräg  an und lachen bitter: „Es gibt bei uns  nichts mehr zu klauen.  Hier kam vor Dir der Krieg, dann die Privatisierung!“

Das Teufelchen ist verdutzt und geht weiter mit seinem Köfferchen. Er kommt  nach Deutschland, klopft an der Tür und sagt:  „Ich bin ein Teufelchen, komme mit meinem Köfferchen euch alles zu klauen!“ Auch die Deutschen lachen sich über ihn schräg: "Klauen? Bitte schön! Wir haben alles versichert."

Frustriert und sehr verunsichert kommt das Teufelchen nach Polen, klopft an der Tür: „Ich bin ein Teufelchen und komme mit meinem...Oh, wo ist mein Köfferchen?“

 

Mein deutscher Mann darf jetzt böse Witze über Ausländer erzählen.

Ohne in Gefahr zu geraten  als Ausländerfeind abgestempelt zu werden.

Dafür  hat er mich geheiratet.

Nun profitiert er davon.

Früher hat er Ausländer überall verteidigen müssen.

Jetzt darf er sie unter die Lupe nehmen. Und beschimpfen.

Und zwar so viel er will.

Es ist sogar seine neue Aufgabe, die er nun ganz ernst nimmt. 

Er, der Schwiegersohn, kennt seine Ausländer so gut wie seine eigene Tasche. Schluss mit der  alten Romantik. Ab auf die Barrikaden. Für seine Ausländer

 

Früher hat mein deutscher Mann sich geniert, seine Gedanken zu äußern,

wenn sein Auto  wieder mal zerkratzt worden war.

Jetzt weiß er Bescheid. Es waren Türken. Oder Albaner. 

Auch wenn am nächsten Tag im Express stand, daß es vielleicht eine deutsche Oma war, die sich an vierzig Autos gerächt hatte.

Weil sie sich nicht mehr allein zu Hause langweilen wollte. 

Er schmunzelt.

Einer alten einsamen Dame ist er bereit sofort zu verzeihen.

Seine Ausländer

der muss mein deutscher Mann nun ganz neu entdecken.

Früher  schimpft er mit seinen Deutschen und seinen Katholiken.

 Jetzt darf er seine Ausländer oder seine Islamisten auseinander nähmen.

Und gegen sie wettern.

Letztendlich ist er einer von ihnen, ihr Schwiegersohn.

 

Mein deutscher Mann darf endlich mal sagen, was alle anderen nicht einmal leise denken dürfen.

Dafür hat er mich geheiratet.

Die Polen waren es oder Russen, die das Auto eines Freundes geschnappt haben, sagt er und grinst.

Die anderen nicken brav vor sich hin.

Wenn das Auto am nächsten Tag in einer anderen Straße gefunden wird,

dann hat der Inhaber Glück gehabt.

Und muss sich für sein Nicken von gestern schämen.

Mein deutscher Mann muss sich für nichts entschuldigen.

Nicht einmal bei mir.

Wieso nur? 

Seine Ausländer tun es sicher in einer anderen Straße.

 Oder in einer anderen Stadt.

Auto klauen oder Auto kratzen

Er kennt sie gut, er ist ihr Schwiegersohn.

 

Wobei es meinem deutschen Mann nicht nur um Autos geht.

Wie allen anderen Deutschen. 

Ihm geht es ums Prinzip.

Seine Ausländer in Schutz zu nehmen, bedeutet  zuerst: sie zu verdächtigen. Denn ohne Verdacht keine Verteidigung.

Die anderen genieren sich, er hält drauf, ihr Schwiegersohn.

 

Das Prinzip verstehe ich inzwischen.

Und bin dabei, die Initiative  selber zu übernehmen.

Als mein deutscher Mann ohne seine Badehose aus der Sauna nach Hause kam, wusste ich sofort Bescheid

Es waren Ausländer. Polen, Türken oder sogar Bosnier. Gerade die letzten könnten besonders gut die schicke Badehose meines deutschen Mannes brauchen. Das Wasser steht ihnen seit Jahren bis zum Hals.

Riechen sie irgendwo ihren Schwiegersohn, handeln sie sofort nach dem alten Prinzip: seine ist auch unsere. Und bedienen sich. Ob mit seinem Auto oder mit seiner Badehose.

Ihm, meinen deutschen Mann gefällt meine Theorie nicht.

Schon am nächsten Tag kam er triumphierend nach Hause.

Mit einem geklauten Löffelchen aus einem italienischen Café.

Um meine Vorurteile abzubauen,

sagt er und grinst.

Hm, wen werden nun die Italiener verdächtigen, frage ich mich.

Polen, Bosnier oder sogar Italiener?

Ihn, meinen deutschen Mann sicher nicht.

 

 

 

 

 

Mein deutscher Mann und sein bester  Freund

 

Mein deutscher Mann und sein bester Freund sind sich treu geblieben.

Früher waren sie Exoten, heute heiraten sie Exotinnen

Früher trugen sie bis zur Schulter langes Haar,

quälten sich in enge Jeans, lasen dicke Bücher von Marx und Lenin  und schluckten Schliwowitz oder Grappa vor Ort.

Als Rucksackrevolutionäre auf dem Weg ins Paradies,

Irgendwo an der Adria.

 

Heute leisten sie ihren Beitrag zur Weltrevolution,

Indem sie Frauen aus dem Osten heiraten.

So trotzt der sanfte Revolutionär aus dem Westen

Seinem kapitalistischen Feind zu Hause.

Und begegnet darauf hin  seinen Niederlagen mit Witz und Humor.

 

Eine Exotin aus einem besiegten System  geheiratet zu haben, verschafft ihm Ansehen bei seinem alten Freund.

Sich um sie kümmern zu können, heilt seine verlorenen Illusionen. Sie, die Prinzessin aus dem Osten,

tut ihm nun gut. Sie bewundert seinen Mut,

Anders zu sein als alle seine Deutschen.

Sie traut ihm zu, dass er sein Leben dennoch im Griff hat.

Und  genug Geld nach Hause bringt. 

Außerdem akzeptiert sie gleichmütig,

daß  er ihre Sprache nicht so beherrscht wie sie seine.

Und sie ermutigt ihn immer wieder

ins kalte Wasser zu springen,

Auch wenn er noch nicht schwimmen kann.

Danach kocht sie ihm Grünen Tee und fühlt sich bei ihm sicher. Auch wenn er zittert.

 

Mein deutscher Mann weiß inzwischen, das alles  zu schätzen. Wozu es gut sein kann, jemanden wie mich zu heiraten, ahnt auch sein bester Freund.

Und beneidet ihn.

Doch der selber traut sich noch nicht.

Es fehlt nicht an Mut.

Sein bester Freund reist  um die Welt,

fliegt nach Brasilien, Taiwan oder Vietnam.

Und kehrt glücklich nach Hause zurück.

Wenn er von wunderschönen Exotinen erzählt,

die ihn heiraten wollen, schmunzeln alle,

Es stört ihn nicht.

Er genießt das sogar, als seine Privatprovokation

Nur seine Mutter schaut die Fotos genau an und fragt besorgt:

„Mein Lieber, bist du dir sicher, dass dieses Mädchen hier glücklich sein kann?“

 

Vielleicht liegt es nicht an seiner Mutter.

Was die anderen sagen, sei  ihm egal, sagt er verärgert.

 „Schade, dass sie nur auf den Fotos existieren“,

zieht ihn mein deutscher Mann auf und meint

Es läge an der falschen Zeitung.

Sein bester Freund liest seit neuestem nur noch die FAZ. 

„...muss man sich nicht wundern, dass er Westerwelle gewählt hat“ ,

sagt mein deutscher Mann

Und geht mit seinen Fingern nachdenklich durch sein dünn gewordenes Haar. Ich bin froh, dass mein deutscher Mann die Taz ließt,

Und Joschka und mich gewählt hat.

 

Wenn es bei seinem besten Freund auch soweit ist,

habe ich mich schon mal bereit erklärt,

Ihre beste Freundin zu sein.

 

 

Mein deutscher Mann und seine Exen

 

Mein deutscher Mann liebt starke Frauen. Aber nicht in seinem Haus.

 

Seine Ex ruft ihn an, um sich auszuweinen.

Sie braucht seine breite Schulter und sein großzügiges Nicken.

Er gibt ihr gern recht, wenn sie einmal schwach wird. Seine Ex.

Und ich? Mir bleibt nichts übrig, als stolz auf ihn zu sein.

Und  auf ihn zu warten.

 

Mein deutscher Mann ist ganz in Ordnung.

Vor allem dank ihnen. Seinen Exen.

Die Superweiber mit großer Klappe und schnellen Karrieren haben ihn inzwischen weich gemacht. Für mich.

Er kocht hervorragend, ist ein großartiger Zuhörer,

geduldiger Kavalier, exzellenter Chauffeur,

Und kein schlechter Liebhaber.

O. K. Keiner ist perfekt.

Ich kenne auch seine schwachen Seiten.

Das sind sie. Seine Exen.

 

Sie, die starken Frauen waren immer sein Heil und sein Verhängnis.

Mit einer starken Frau an seiner Seite ist jeder Mann ein König. 

So lange sie an ihm nichts zu meckern hat.

Eigenwillig wird. Immer mehr verlangt. 

So wird die starke Frau auf einmal eine Zicke.

Oder eine Furie, die  keinem Mann zuzumuten ist.

Auch nicht einem emanzipierten deutschen  Mann.

Also, Schluß. Aus.

 

Nun rufen sie ihn an und weinen.

Ohne seinen großen Ohren und seinen breiten Schulter

scheint es schwierig zu sein, stark zu bleiben.

Und er kommt. Sofort. Vor seinen Augen verwandeln sich die Zicken von gestern in die  Kätzchen von heute, die an seiner breiten Schulter

wieder zu den starken Frauen von morgen werden.

 

Nein, ich bin nicht eifersüchtig. Zumindest nicht so, wie er das glaubt.

Oder sie, seine Ex.  Ich weiß, dass die Erde rund ist und mein Mann immer wieder nach Hause zurückkommt. Ich tue es trotzdem eckig und mache ihm schwer, wenn er wie ein Held vor der Tür steht.

 

Einen Menschen trösten zu können? Kein schlechtes Gefühl.

Eine starke Frau, die ihn früher fertig gemacht hat, an seiner Schulter weinend sehen? Ein saugutes Gefühl!

Eine eigene Frau, die ihn danach misstrauisch mustert, zu überzeugen, stolz auf ihn sein zu müssen, einer schwachen Frau beistehen zu können?

Die wahre Kunst!  

 

Das Gefühl verstehe ich langsam. Und mache alles mit. Mal rund, mal eckig.

Ich lasse ihm seine Aufgaben. Mut seinen Ex machen zu können, macht ihn nicht nur in ihren Augen mächtig, sondern auch wieder in meinen.

Und erst in seinen. Da ist alles klar. Das hat er gern.

Da ist er durch und durch ein Mann.

 

Er liebt starke Frauen.

Aber nicht in seinem Haus.

In seinem Haus begegne ich seiner Stärke erst in seiner Abwesenheit.

Wartend auf ihn verstehe ich auch Hegel besser.

Seine Exen haben ihn zu erst weich gemacht.

Nun machen sie ihn wieder stark.

Für mich. Dialektik.

Ich bin ihnen so dankbar. Seinen Exen.  Aus meinem ganzen Herzen wünsche ich ihnen das ewige Glück.

Für immer sollen sie stark bleiben.

Damit der Hegel wieder im Bücherregal verschwinden kann. Und ich an seiner Schulter einschlafen kann.

 

 

 

Mein deutscher Mann und  sein Auto

 

Mein deutscher Mann sagt: „Wer liebt, kontrolliert nicht“,

Und er meint nicht mich. Sondern sein Auto.

Zu seinem blauen Diesel hat er immer blindes Vertrauen.

Er lässt ihn einfach rollen.

Er quält ihn nie mit waschen oder Staubsaugen,

so wie die anderen deutschen Männer an jedem Samstag.

Seinen Wagen wischt der Regen und trocknet die Sonne.

Ein Öko-Auto, sage ich.

Wochenende ist Wochenende, sagt mein deutscher Mann und gibt Gas.

Richtung Süden.

 

In seinem Auto fühlt sich mein deutscher Mann wie zu Hause:

Der Aschenbecher ist immer voll. Am Boden liegen Zeitungsblätter.

Überall stecken Bücher, Karten und Klamotten.

Unter den Füßen rollen leere Flaschen.

„Alles hat  seinen Platz!“, sagt mein deutscher Mann und ich weiß was er meint.

Als ich einmal meine Ordnung in sein Auto brachte,

konnte er sich gar nicht mehr zu recht finden. 

Bis es wieder ganz  seinen ästhetischen Vorstellungen entsprach.

 

Seine Liebe zu mir äußert er nach gutem Prinzip des Genossen Lenins:

Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser.

Sobald er mit seinem Vierräder unterwegs ist,

-geschäftlich, versteht sich-

bekomme ich liebe Anrufe.

So gegen Mittelnacht.

Er meldet sich nur kurz, um mir gute Nacht zu sagen,

ein Küsschen zu geben

oder einfach zu fragen, wie es mir so, ohne ihn, geht.

 

Manchmal hat mich mein deutscher Mann auch gern dabei.

Da wundere ich mich dann über die seltsame Liebe zwischen den beiden.

Ihm und seinem Auto.

So viel Geduld hat er mit mir nicht. 

Selbst wenn sein blauer Diesel anfängt zu meckern, rastet er nicht aus.

Unerklärlich für mich.

Er bleibt einfach ruhig, streichelt ihn liebevoll und

bittet ihn sich nur noch bis zum nächsten Service zu gedulden.

 

Die Liebe scheint gegenseitig zu sein.

Selbst wenn mein deutscher Mann vergisst, wo er seinen Liebling geparkt hat,

wartet der Alte irgendwo treu auf ihn.

Und er? Der findet ihn mit geschlossenen Augen: nach Riechen oder Tasten.

Mit mir wäre es sicher nicht so leicht.

 

Wie fast jede Liebe ist aber auch die mit dem Auto irgendwann vorbei.

Sein blaues Diesel  verabschiedete sich eines Tages

Mit  einer schwarzen Wolke hinten und einem seltsamen Geräusch vorne.

Motorschaden.

Er schimpft nur kurz und entscheidet sich schnell für ein neues Auto.

Wieder ein blaues Diesel, diesmal aber  mit Klimaanlage.

Die wichtigen deutschen Männer werden sicherlich auf ihn warten,

sagt er selbstbewusst.

Eine technische Panne hat jeder mindestens ein mal im Leben gehabt,

beruhigt er mich und fährt weiter, als ob nichts geschehen wäre.

Er freut sich sogar auf seine neue Klimaanlage.

Ich traue meinen Ohren nicht und drehe nur noch den Kopf links-rechts,

rechts-links

Statt einer deutschen PS Marke fährt mein deutscher Mann

ein ausländisches Diesel.

Mit seiner Liebe ohne Kontrolle  trotzt er einer schwarzen Wolke.

Wenn aber das Spiel verloren ist, tröstet er sich sofort

Mit einer neuen Klimaanlage.

So ist es mit den deutschen Männern.

Also, Lenin hatte doch recht:  Kontrolle wäre besser gewesen.

 

 

 

Mein deutscher Mann und sein Schliwowitz

 

Mein deutscher Mann hat einen Geheimtip. Für den Körper und die Seele.

Er heißt: Schliwowitz.

Nicht irgendein billiger Sprit aus dem deutschen Supermarkt.

Es muß ein selbstgebrannter aus Bosnien sein.

Ein Bio-Produkt.

Ohne Zucker und ohne Chemie. 

 

So zubereitet,  schüttet ihn mein deutscher Mann in die Ohren,

wenn sie ihm weh tun.

Er reibt sich damit den ganzen Körper ein,

um Fieber zu bekämpfen.

Gurgelt ihn,

um Halsweh los zu werden. 

Aber am liebsten schluckt er ihn.

Nicht nur um seine Magenkrämfe nach einem schnellen Kebapessen zu bekämpfen.

Der selbstgebrannte Schliwowiz aus Bosnien ist mehr als Schnaps.

Er ist ein Heilmittel.

Darauf schwört er bei seinen deutschen Freunden 

 

Mein deutscher Mann erinnert mich an meine bosnische  Oma.

Die alte zerbrechliche Dame stand immer vor einem schweren Dilemma:

Ein Schluck Heilwasser durch die Kehle fließen zu lassen,

um die Seele zu erfreuen?

Oder lieber die Augen, Knie oder Füsse damit einzureiben,

um besser sehen oder laufen zu können?

 

Das ganze Jahr zu planen war gar nicht einfach für meine Oma.

Der selbstgebrannte Schnaps wurde immer knapper und schwerer einzutreiben,

je länger das Jahr dauerte.

 

Meinem deutschen Mann besorge ich das Zeug nun aus meiner alten Heimat.

Über tausend Ecken.

Oder er kommt besser gleich mit und trinkt ihn vor Ort. 

 

Keine gute Idee.

Weil Schliwowitz Nebenwirkungen hat.

Besonders, wenn er den einheimischen Männer folgen und imponieren will,

Denn die haben das Zeug im Blut.

Ein paar Tropfen zu viel und Er  kriegt  die schnelle Zunge, eine mutige Faust und tanzende Beine.

Da amüsieren sich die Bosnier und geben ihm noch einen mit. 

Danach wird er schnell verwirrt.

Und vergißt, wo er gerade ist.

Im Kosovo z. B. kann es fatal sein, wenn er bei den Albanern anfängt Serben zu loben, oder Albaner bei den Serben.

Das Leben rettet ihn dann nur noch sein deutscher Paß.

Am nächsten Tag kehrt er mit gesenktem  Blick, schwerem Kopf und roten Augen nach Hause zurück.

 

Manche deutsche Experten glauben inzwischen, daß Schliwowitz die Hauptursache der Balkankriege sei. Ich glaube es nicht.

 

Der selbstgebrannte Schliwowitz ist gut.

Für die Kenner.

Mein deutscher Mann ist mir lieber, wenn er bei seinem Kölsch bleibt.

Oder seine Seele mit gutem Wein erfreut.

Mit spanischem Rioja,  italienischem Chianti, oder kroatischem Dingac.

Den selbstgebrannten Schliwowitz aber,

den Geheimtip meiner bosnischen Oma,

lasse ich mir davon nicht verderben.

Den Stoff für meine Seele und seine Ohren verstecke ich an einem sicheren Ort:  In einer alten Vase, dem Erbstück seiner deutschen Oma. Da guckt er nie hinein.

 

Mein deutscher Mann und seine Grippe

 

Mein deutscher Mann ist  selten ein kranker Mann 

Greift ihn aber eine Grippe an

Was dann? 

Bitte nicht verzweifeln, keine Sterbehilfe leisten,

auch mit der Scheidung ihn nicht belasten

raten die Ärzte

Bei ihm sein ist alles, sage ich

Weil er ohne mich gar nicht überleben kann

Er braucht meine Hilfe wie das tägliche Brot,

meinen Mut und meine Geduld wie die Luft,

Seine Liebe wächst mit seinem Schmerz

Sein Fieber steigt und der Husten packt ihn

er niest und schreit nach mir

Auch wenn ich gerade noch an seinem Bett war

Ich zähle nur kurz die Sterne am Himmel

und komme zurück mit einem Lächeln,

da halte ich seine Hände und  streichle die Stirn

ich verspreche ihm alles, 

Und auch daß er nicht stirbt.

Danach renne ich zwischen Apotheke,  Küche und dem Markt hin und her

Auf der Suche nach Tabletten, Thermometer und Thermoskannen,

Ich presse Orangen,  Limonen und Ananas,

Koche literweise Kamillentee und Pfefferminze

Mein deutscher Mann schluckt alles, was ich ihm anbiete

Und wimmert und wimmert

Er stirbt, er stirbt...

Mir bleibt nichts übrig als den Notarzt anzurufen

 

Oder endlich die bosnischen Hexenkünste meiner Großmutter auszupacken.

 

Schon reibe ich seinen Körper mit Schweineschmalz ein,

klebe auf seine Brust dicke Zeitungsblätter der frisch gedruckten Taz

Wickle seine Füße in Kartoffelbrei mit Apfelessig

Stopfe in seine Ohren Knoblauchzehen,

und in seinen Hals  Eiswürfel

Lecker, lecker Sachen,

singe ich ihm vor

Jammert er danach noch immer

Wird er in Schliwowitz gebadet

von Kopf bis zum großen Zeh

und:

im Anschluß

mit Tiegerbalsam kräftig massiert

Wehe es kommt dann noch ein Ton.

Dann geht es alles noch mal vor vorne los.

mit Schweineschmalz und  Taz, Kartoffel mit Essig,

Knoblauch und Schnaps...

So zubereitet und gut eingepackt lege ich ihn in das heiße Bett.

Fertig.

 

(dazu...bosnische Musik...)

 

So läßt man ihn sieben Tage schmoren. Danach haben Sie einen neuen deutschen Mann. Man genießt ihn mit einem kräftigen Landwein aus Herzegowina.