Vom satten Leben & ewigen Hunger

 

Die Slowfood-Philosophin an Schnellimbissen

 

Ein persönlicher Blick auf die Welt zwischen zwei Bissen.

Von der  Sättigungsfalle: oder wie holt man sich Gräten aus dem Hals.

Sinnliche Begegnungen mit dem satten Leben und ewigen Hunger.

Glossen über das Kochen, Menschen, Welthunger und die neuen Kochpäpste und ihre Küchenphilosophie.

 

Die kleinen absurden Geschichten einer schlechten Köchin und bissigen Beobachterin.

Sie ist umgeben von den besten Kochlehrer*innen, genießt ihre Kochkünste, lobt ihre Kostbarkeiten, sammelt ihre Sprüche, Attitüden, Posen...

Sie liebt gutes Essen und schräge Typen. Aber kochen? Nein! Sie bekenne, sie ist in der Küche eine völlige Niete. Obwohl  sie die besten Lehrer der Welt haben könnte.  Gerade deswegen...

Deswegen ist ihr Hunger so groß,  ihre Zunge messerscharf,  ihr Blick gierig, kratzig, beißend.

Und... sie entwickelt ihre eigene Küchenphilosophie über dem satten Leben und ewigen Hunger.  

In ihren vier Wenden. Und Weltweit.

 

Sie ist sinnlich, heiter, grotesk, scharfzüngig, hungrig und manchmal zum Kotzen satt!  Sie nimmt die Kochkultur des neuen Lifestyles unter die Luppe, karikiert die Überschwemmung an industriellen Lebensmitteln,  Fastfood-Ketten an jede Ecke, die theoretischen Kochwichtigtuereien um das Slowfood. Es muss schnell alles langsam werden. Am besten Slowfood an Fastfood-Imbissen anzubieten. Eine Quadratur des Kreises. In einer Welt, in der immer noch über 800 Millionen Menschen hungern müssen.

 

Wo alles möglich ist, gelingt nichts mehr. Je mehr Kochsendungen über Slow Food, desto schneller wachsen die Umsätze der Fast Food - Ketten. Je mehr Kochsendungen im Fernsehen und Netz, desto weniger Zeit, Lust und Mut für die eigenen Kochexperimenten. Solange die Kochpäpste das Slow-Food-Trend in  den Himmel jubeln, desto schneller eilt das ewig hungrige Volk zum Schnellimbissen.  Da stimmt was nicht!

 

Die pure Lust an philosophisch-kulinarischen Häppchen des neuen neurotischen Zeitalters.

Futura Light ist eine beliebte Schriftart, die vom Bauhaus-Design inspiriert ist. Sie bringt Überschriften, Banner und Logos perfekt zur Geltung.

                      WELTERNÄHRUNG

                                                  ZAHLEN UND FAKTEN

 

 

815 Millionen Menschen auf der Welt haben nicht genug zu essen.

 

Die Hälfte der Weltbevölkerung ist nicht bedarfsgerecht ernährt.

 

Zwei Milliarden Menschen leiden an einem Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen.

1,4 Milliarden sind durch falsche Ernährung übergewichtig oder gar adipös.

Bis 2050 wird die  Weltbevölkerung auf rund neun Milliarden Menschen wachsen.

 

Ausreichend Lebensmittel zu produzieren wird eine globale Herausforderung. Vor allem, weil die Nachfrage nach Energie und nachwachsenden Rohstoffen steigen wird und sich die Folgen des Klimawandels noch vergrößern werden.*

 

* WELTERNÄHRUNG VERSTEHEN

Muttermilch

 

Das Baby steckte sich Erde, Sand, Gras, Ameisen, Kakerlaken, Hühnerkot, sogar seine eigenen Babypopel in den Mund bevor es die Grundgeschmäcke: süß, salzig, sauer, scharf, bitter oder bittersüß entdeckte. Mutig schnupperte es gierig an allem, was um es herum lag. Stoisch nuckelte und saugte es im Garten auf einer Decke an den ekelhaftesten Dingen und es überlebte mit Schnalzen und Schmalzen seine ersten Abenteuergeschmäcke dieser Welt. Nur eines schien das Baby überhaupt nicht zu mögen: die Muttermilch!

Sobald seine Mutter ihre Brust auspackte und die Warze in seinen Mund steckte, verging  keine Minute bis das Baby, rot im Gesicht, zu schreien begann. Es brüllte als wollte es seine Seele aus dem Hals herausreisen.

Seine arme, vom Babyschreien erschreckte  Mutter schwitzte, zitterte, verzweifelte und  fragte sich ratlos, was mit ihrem Baby bloß los sei, warum  ihm die Muttermilch so schmerze.

 

Sie versuchte das Baby zu beruhigen, zärtlich drückte sie es an ihren Leib, das Baby schmiegte sich an sie, seine Schreie wechselten ins Schluchzen. Die Mutter packte wieder ihre Brust aus dem Körbchen, das Baby runzelte die  Stirn, biss wieder in die Warze und nach  zwei Minuten begann es erneut zu schreien.

Manchmal schrie das Baby die ganze Nacht durch.  Die Mutter, ermüdet und ratlos, streichelte und küsste das kleine schreiende Wesen wieder, bis es sich beruhigte und versuchte es erneut zu füttern. Vergebens.

 In den langen schlaflosen Nächten vergoss  auch die Mutter literweise bittere Tränen, die manchmal einen kleinen Wunder bewirkten: das Baby beruhigte sich, hob sein Kopf  und starrte die weinende Mutter an und begann dann ihre Tränen aufzulecken. Die salzig, bittere Flüssigkeit schienen dem Baby zu schmecken.

Kurz vor Sonnenaufgang, nach dem das Baby die letzte Träne seiner Mutter gründlich aufgesogen hatte, schlief es selig an der Brust seiner eingeknickten Mutter ein.

Die  Mutter schleppte ihr fast vier Monate altes Baby, ein dürres Allfressmonster, das die ungenießbarste  Dinge in sich stopfte, nur ihre Milch kategorisch ablehnte, zu ihrer letzten Hoffnung - zur ihrer eigenen Mutter.

Die Frau, die 11 Kinder auf die Welt gebracht hatte und weit über die Dorfgrenzen für ihre ruhige Art, Weisheit und ihre Zauberei bekannt war, küsste ihre besorgte Tochter und das schreiende Kind, kochte  einen Mokka, holte aus dem Küchenschrank zwei Kaffeetassen und eine Zuckerdose, nahm das wütende Baby auf den Arm und versuchte es mit einem Wiegelied zu beruhigen. Das Kind starrte die ältere Dame mit  zusammengepressten Lippen an und begann wieder zu quietschen. Die Großmutter nahm aus der Zuckerdose ein Zuckerwürfel und steckte es ihm in den Mund.

Und ein Wunder passierte: Das Baby hörte sofort auf zu schreien. Es leckte genüsslich das Zuckerstück, lutschte und schleckte es gierig von allen Seiten wie noch drei weitere in weniger als zwei Minuten. Dann schief es  ein.

 

Die Diagnose der Großmutter, so erstaunlich wie einleuchtend, stand fest:

Das Baby sei völlig gesund, nur fürchterlich hungrig!

Die Mutter staunte und verstand schlagartig ihr ganzes Unglück. Statt in der Stadt mit ihrem Mann zu wohnen, womit sie fest gerechnet hatte, als sie ihn, den armen Städter zwischen ihren vielen reichen Verehrern, Söhnen der großen Landbesitzer, ausgewählt hatte, hockte  sie nun mit ihrem schreienden Baby Tür an Tür mit den Schwiegereltern in einem Einödhof in den bosnischen Bergen, und wartete wie Penelope auf ihn, den Helden, der bevor das Kind auf die Welt kam, über ihr Schicksal entschieden hatte. Er, der Bauersohn aus ganz kleinen Verhältnissen, hatte sich in der Stadt eine Position als Maurerpolier erarbeitet,  nun will er in der Stadt ein Haus bauen und dann, wenn er so weit sei, sie, seine Frau, die schöne Tochter eines reichen Bauer, dort zu  eine Herrin  machen. Solange müsse er hart in der Stadt schuften und sie sich eben gedulden, die Kinder kriegen und erziehen und seine Eltern ehren und ihnen dienen. Sie kriegte keine Luft,  schaute ihn schweigsam an, traute sich nicht, ihm wiederzusprechen.

Vom ersten Tag an verfolgt die Schwiegermutter jeden ihren Schritt in dem Haus auf dem Berg. Als sie ihrem schreienden Baby Kuhmilch geben will, wird sie beschimpft. Mindestens sechs Monate müsse das Baby nur von Muttermilch ernährt werden. Basta.

Der kleine schreiende Wurm kämpft wie ein Löwe um sein Leben.  Aus der Warze der Mutterbrust kann das Baby nur ein paar  Tröpfchen Milch aussaugen. Die Brust ist so leer wie eine vertrocknete Oase in der Wüste. Wie ihre Hoffnung auf ein besseres Leben. Das Kind, immer dürrer und wütender vom vergeblichen Nuckeln und Lutschen, wäre verhungert, hätte ihm die zweite Großmutter kein Zuckerwürfel gegeben und die klare Diagnose  verpasst.

 

Nach dem Zuckerwürfel, folgten die nächsten Experimente.  Tante Franka, die vier Jährige jüngste Schwester seiner Mutter, steckte dem Baby eine saure Gurke in den Mund und beobachtete neugierig, wie die Gurke von allen Seiten gelutscht wird und die komischsten Babygrimassen verursacht, die sogar die traurige Mutter zum Lachen bringt.

Am nächsten Tag steckte der achtjährige Onkel Mirko dem Baby eine Peperoni in den Mund. Zuerst biss der Junge auf die scharfe Peperoni und schrie als hätte er sich die Zunge verbrannt. Das Baby schaute ihn mit großen Augen  an, er schob die rote Schote langsam Stück für Stück in den Baby-Mund. Das Kind nuckelte kurz an dem scharfen Zeug, streckte die Zunge heraus, überrascht von dem unbekannten Geschmack, ließ die Zunge hin und her tanzen und verschluckte es- Aus seinen beiden Ohren dampfte es, Tränen flossen ihm aus den Augen, doch das Baby schrie nicht. Stoisch nagte es  und schluckte weiter das  scharfe Stück Peperoni, bevor es tief einschlief.

 

Genau hier beginnt die Karriere einer später berüchtigten scharfen Zunge, die im satten Leben immer neuen Hunger aufspürt, Lügen entdeckt und sie laut zur Schau stellt.

 

Mit jedem neuen Geschmack wird das satte Leben hungriger. Kein Zuckerwürfel, keine Sauergurke, keine Peperoni, kein Brot, kein Kajmak, Pita, Apfel, Cevapcici, Sauerkraut, Olive, Krabben,  Ingwer, Bier, Wein,  Whisky...keine Kräuter, keine Pilze, kein Marihuana, keine Schlaftabletten werden den Hunger jemals stillen können.

 

Die scharfe, ewig hungrige Zunge, eine wilde Geografie, tiefer Gräben, hoher Berge, weiter Täler, ertrotzt schon in den ersten Lebenswochen und  tief eingraviert in alle Sinnen schaltet ihre feine Sensoren wie ein Lügendetektiv an, der die echten, guten und wahren Geschmäcke,  von den falschen, schlechten und künstlichen unterscheidet. Glück und Fluch zugleich. Denn was kann schon bestehen gegenüber diesen naturwüchsigen  Geschmackslandschaften, diesen  tausenden Aromen aus den bosnischen Wiesen, Wäldern und Bergen?

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Hunger auf der Grillwiese

 

Fast verhungerte ich mit meiner georgische Freundin auf  einer deutschen Grillwiese, die nach Schwein, Kartoffeln und Huhn verführerisch duftete.

 

Es war ein Sonntag, ein schöner heißer Tag und mir war es gelungen, meine georgische Freundin für eine Wandertour zu begeistern.  Um ein paar Pfund abzuspecken, packten wir nur Wasser und ein paar Apfelsinnen in den Rucksack. Als wir Stunden später an eine große Kreuzung ohne Schilder gerieten, fühlten wir uns für einen Moment verloren wie Rotkäppchen, das in jedem Moment an einen blutgierigen Wolf geraten konnte. Unsere Füße brannten, der Rucksack war leer, doch dann sahen wir die vertrauten Konturen der Hochhäuser unserer deutschen Stadt.   Bald hörten wir auch  Stimmen und sahen eine dicke Rauchwolke, die zum Himmel schwebte. Vor uns lag eine breite Wiese voller spielender Kinder und liegender Menschen, die sich um ihre Grillgeräte versammelt hatten. Die Luft roch nach gegrillten Fleisch und verbrannten Kräutern. Ich schaute meine Freundin an, und obwohl sie angeblich eine Vegetarierin ist, schnalzte sie  genüsslich mit der Zunge. Wir folgten unseren Nasen und landeten knapp einen Meter vor einem winzigen Grill aus dem Supermarkt, auf dem uns einige kleine Kottelets  anlächelten. Die gehörten  einem Pärchen um die 40. Die beiden starrten uns an, als ob sie es nicht fassen könnten, dass wir ihnen so nah getreten waren.  

-„Guten Appetit“, hörte ich mich sagen. Meine Freundin grinste. 

- „Danke“ – meinten sie und drehten uns schnell den Rücken zu.

 Erst jetzt merkte ich zwei Bio-Stofftaschen auf dem Boden  und ein halbes Vollkornbrot daneben.

 „Bio  ist natürlich gesund und lecker, aber teuer“, erklärte ich meiner Freundin.

 „Ja, da ist nichts für unangemeldete Gäste,“ meinte sie.

Unsere schweren Schritte führten uns träge weiter über die breite Wiese, die uns plötzlich wie eine große Hexenküche vorkam. Die Menschen verzehrten genüsslich Hühnerschenkel, Würste, Schnitzel… und wir schleppten unsere leeren Mägen von einem: „Guten Appetit – Danke“ zum anderen. Kein bekanntes Gesicht, das uns retten konnte, war in Sicht.

Aber dann, als ich die letzten Tropfen Wasser aus der Plastikflasche schluckte, spürte ich etwas vertrautes in der Nase: Lamm !!!

Ein älterer Mann, belagert von  einer  Schar von Kindern, wendete auf seinem riesigen Rost-Grill üppige Lammfleischportionen. Der alte Campingtisch quietschte unter Broten, Pita, Käse, Gurken, Tomaten, Melone…

„Guten Tag!“ rief ich fröhlich. „Schmeckt es?“  Der Mann lächelte.

„Bujrum Komschi! Kommt, probiert ein bisschen!“, sagte er und winkte uns zu.

 Mit strahlenden Augen grüßten wir seine rundliche Frau, die ihr Kopftuch nach oben zog, um uns besser sehen zu können. Unsere Gastgeberin reichte uns zwei voll beladene Pappteller.  Mir floss das Wasser im Munde zusammen.  Meine Freundin gab sogar ihre vegetarischen Prinzipien auf:

„Um die Gene meiner Oma in mir zu füttern, die nach Fleisch verlangen“, meinte sie.

Da fiel mir auch meine bosnische Großmutter ein. Sie liebte es, mit uns Kindern grillen zu gehen und winkte jeden, der vorbei ging, zu uns,  wie nun unsere türkischen Gastgeber. Ich fühlte mich wie zuhause in Sarajevo und dachte an die alten Osmanen, die uns ihre gute alte Sitte hinterlassen haben. Und die uns nun auch auf einer deutschen Grillwiese nicht verhungern ließen.  (SV)

 

 

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Schlange stehen fürs Brot

 

Das Bild provozierte mich: eine lange Schlange vor einer Bäckerei, direkt bei mir um die Ecke, da wo alle Gassen in das Gewimmel aus Farben, Formen und Geräuschen hinführen. Es war kurz vor 19 Uhr, frostig und dunkel. Doch immer mehr Menschen drängten sich vor einem winzigen Fenster, hinter dem zwei eifrige Damen in Weiß  Brot verteilten.

Völlig absurd, dachte ich mir. Das ist Deutschland. Das ist das 21 Jahrhundert. Das ist Abend. Das ist kalt. Wer sind diese Menschen, die sich bei so einem miesen Wetter freiwillig in eine Schlange für Brot anstellen?   Warum  stehen sie ausgerechnet vor dieser Bäckerei Schlange? Gibt es da vielleicht etwas umsonst? 

Ich muss das wissen und reihe mich brav ein.

Eine dürre Frau mit grauem Haar zieht aus ihrer Stofftasche die Geldbörse. Also  doch  nix umsonst. Ihre kräftige Nachbarin in einem abgetragenem Mantel zuckt mit den Schultern: Sie müsse mit ihrem Mann nach Bosnien fahren, erfahre ich in meiner Sprache. Ihr alter Mercedes verschlucke viel Benzin, für einen besseren haben sie aber kein Geld. Das große Haus in der Heimat müsse trotzdem auch in diesem Winter gelüftet werden. Und Geschenke für Verwandten, die müssten ran. Wie jedes Jahr. Tja, meint die Grauhaarige, sie bleibe lieber in Deutschland. Da funktioniere die Heizung wenigstens. Außerdem liege ihr Mann flach. Bandscheibenvorfall. Der dritte in den letzten zwei Jahren. Die alten Knochen vertrügen keine Baustelle mehr, sagt sie und faltet ihr Mund wie eine Harmonika. 

Zwei ältere Türken hinter mir diskutieren lebhaft in ihrer Landesprache. Ich verstehe nur ein Wort, das immer wieder vorkommt: Harz Vier.

Eine blondierte Frau mit einer Zigarette im Mund regt sich über "Ein-Euro-Job" auf. Ihre dunkelhäutige Nachbarin nickt und pustet in die Hände, um sich aufzuwärmen.

Müde Gesichter mit tiefen Falten und verbrauchten Träumen.  Die Schnäppchenjäger. Arbeitslose und die Gastarbeiter vor der Rente stehen hier in dieser Schlange. Sie wird immer länger. Und das obwohl die Bäckerei von innen völlig leer steht.

"Warum geht keiner rein?" frage ich nun völlig verwirrt.

"Warum wohl?" meint die Blondierte und  misst mich misstrauisch. Sie merkt sofort, dass ich hier ein Neuling bin. Die anderen scheinen sich gut untereinander zu kennen, sie sehen sich sicherlich jeden Abend zu gleichen Zeit bei diesem Ritual.

"Hier draußen ist es eben billiger", sagte der Türke freundlich.

"50 Prozent Rabat für alle Sorten Brot!“

 „Aber nur in der letzten halben Stunde", lasse ich mir erklären.

„Und nur draußen“!

„Ach sooo!“ leuchtet es mir ein. 

Jetzt verstehe ich: Also 50 Prozent Rabat gibt es  nur für diejenigen, die draußen in der Schlange warten.

 

Wie raffiniert! 

 

Lange Schlange - Das  bringt Aufmerksamkeit!

 

Sicher, die Kunden sparen in der Schlange am Brot 50 Prozent... aber kann es für die Bäckerei eine bessere Werbung geben, als eine lange Schlange?! Und das in diesen Zeiten und in dieser Straße, in der  fast jede Woche ein anderer Backkonzern eine neue Filiale eröffnet? (SV.)

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  WELTERNÄHRUNG

 

                                         HUNGER  (Definition)

Isst der Mensch zu wenig, wird
er schnell von Hungergefühlen gequält.

Fachleute sprechen von chronischem Hunger oder Unterernährung, wenn Menschen über längere Zeit zu wenig Energie aufnehmen, um ein gesundes und aktives Leben zu führen. Der Energiebedarf ist unterschiedlich und liegt bei Erwachsenen je nach Region, Aktivität, Altersgruppe und Geschlecht etwa zwischen 1.700 und 2.000 Kilokalorien am Tag. Bei weniger als 1.400 Kilokalorien beginnt extreme Unterernährung oder akuter Hunger. Übrigens: In Deutschland liegt der Verbrauch im Durchschnitt bei mehr als 3.500 Kilokalorien.


Doch Kalorien sind nicht alles. Armut und – oft dadurch bedingt – einseitige Ernährung führen zu einem Mangel u.a. an Vitaminen, Mineralstoffen wie Jod und Eisen sowie Spurenelementen. Diese Nährstoffdefizite nennt man auch „versteckten Hunger“. Er ist nicht auf den ersten Blick sichtbar, schädigt aber die geistige und körperliche Entwicklung und die Leistungsfähigkeit.

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* WELTERNÄHRUNG VERSTEHEN

 

Milchkaffee

 

Es weckte mich wieder der Milchkaffeeduft aus dem Nachbarhaus, der sich wie schon seit Jahren in mein Schlafzimmer jedes Wochenende einschleicht. Dieses Mal sog ich ihn aber so hastig ein, als ob das letzte mal wäre.

 

Den alten Mann, der im Erdgeschoss des kleinen düsteren Nachbarhauses daneben wohnt, habe ich bislang nie getroffen, aber sein Sonntagspfeifen und der Milchkaffeeduft zum Frühstück waren mir so vertraut wie das Schnarchen meines deutschen Mannes. Die Nachbarn bemitleiden ihn als armen Sklaven seiner Vermieterin, einer alten Dame, die jeden Nachmittag stundenlang am Fenster rätselhaft vor sich lächelt. Die stolze Besitzerin trotzt dem Leben und Tod mit ihren fast 90 Jahren. Ihr Haus bröckelt vor sich hin, und ihr Mieter, der Italiener, wie ich bald erfahren werde, dient ihr seit Jahren treu. Er kochte ihr und sich den Milchkaffee zum Frühstück, ohne zu ahnen, dass der Duft in mir meine bosnische Kindheit weckte.

 

Als ich an dem Nachmittag ein paar Farbflecken von der Terrasse vergeblich zu entfernen versuche, die mein deutscher Gatte beim Fensterstreichen großzügig um sich gesprüht hatte, sehe ich ihn, den Glatzkopf mit einer Zigarette im Mund, schräg neben mir im Fenster des Nachbarhauses stehen. Unsere Blicke kreuzen sich. Er nickt freundlich, mit einem milden traurigen Lächeln. Ich weiß sofort:

Das ist der Italiener. Er ist höflich, bittet mir sofort ein Spezialmittel gegen die Farbflecken!  Ich überlege nicht zwei Mal und schon ist er unterwegs mit einem kleinen Kanister, der nach Benzin riecht. In den nächsten 20 Minuten kämpfen wir gemeinsam fleißig gegen die Flecken und er erzählt mir seinen Lebensroman.  40 Jahre Deutschland, 25 Jahre Arbeit in einer Druckerei, dann Bandscheibenvorfall, jetzt seit10 Jahren Rentner. Sehr kleine Rente, meint er. Seine Familie in Sizilien habe er nur drei Mal in allen diesen Jahren gesehen.

Die alte Dame sei gut zu ihm gewesen, er habe ihr immer geholfen, sie habe ihm die Wohnung gegeben. Jetzt muss er raus, sagt er, zündet eine neue Zigarette an, zieht tief ein: Seine Vermieterin wohne jetzt in Altenheim. Das Haus sei verkauft. 

Seine letzten Sätze kratzen die benzindurchtränkte Luft. Er tut mir leid.

„So einfach geht es nicht!“ protestiere ich ohnmächtig, will ihn trösten, Mut machen: Man könne ihn nicht auf die Straße setzen! Ich spreche von seinen Rechten, Entschädigung. Rede ohne Punkt und Komma. Doch das scheint ihm gut zu tun. Seine Augen strahlen.

„Danke“, sagt er, er werde‚ mal fragen, vielleicht könne er ja bei den neuen Besitzer doch bleiben, es gäbe immer wieder gute Menschen, überall gute Menschen...

Ob ich einen Milchkaffe möchte, fragt er.

Ich nicke.

Seit diesem Nachmittag spüre ich, wie mir die Zeit vor der Nase wegläuft. Ich mag keine Abschiede, mache mir Sorgen um den Italiener.  Jetzt schnappe ich jeden Sonntag den Duft seines Milchkaffees, so gierig, als ob  es das letzte mal wäre. Als ob das die kostbarste Luft auf der Erde wäre. (SV)

   WELTERNÄHRUNG

                              

                                    DER FALL KAFFEE:

 

"Eine Tasse Kaffee kann in Berlin, London oder Washington gut und gerne drei, vier Dollar oder Euro oder Pfund kosten.

Den Kaffeebauern in Äthiopien bleiben pro Kilogramm Kaffee derzeit 29 Cent - zu wenig zum Leben!

Kaffeeernte ist eine harte Handarbeit. Kaffee ist ein wichtiger Rohstoff; aber anders als bei Öl oder Gas haben die Produzenten wenig davon.

Äthiopiens Kaffeebauer in der Kriese: "Kaffee ist unser Leben"

"Wir verlieren die Hoffnung", sagen Mitglieder der Kaffee-Kooperative Tilamo, zu der auch Aster Utala aus Äthiopien gehört, "dabei ist Kaffee hier unser Leben." Wegen verfallender Kaffeepreise besteht die Gefahr, dass ganze Plantagen aufgegeben werden: Sie können die Kaffeebauern nicht mehr ernähren.

 

Die Kaffeepreise sinken

Bauern waschen Rohkaffee in der Tilamo-Kooperative in Äthiopien. Der Kaffeepreis hat vor wenigen Wochen den tiefsten Stand seit fast 13 Jahren erreicht: Mitte September kostete ein Kilo an der Rohstoffbörse noch 2,09 US-Dollar - das war so wenig wie seit Dezember 2005 nicht mehr. Seit dem letzten Preis-Hoch vor sieben Jahren ist der Kaffeepreis um ein Drittel gefallen.

Kaffeeplantage in Brasilien

Hauptgrund für den Preisrutsch: eine Rekordernte in Brasilien - und Brasilien ist bei weitem der wichtigste Kaffee-Produzent weltweit. Bei den Herkunftsländern folgen auf Brasilien Vietnam und Kolumbien. Äthiopien liegt auf Platz sechs und hatte 2017 gut 470.000 Tonnen Kaffeebohnen geerntet. In Brasilien waren es fast 2,7 Millionen Tonnen.

Rohkaffee bringt viel weniger Geld als gerösteter Kaffee

Kaffeebauern in den Herkunftsländern, wie in der Kooperative in Sidana, Äthiopien, verdienen nur an den ungerösteten Kaffeebohnen. Erst in den wichtigen Abnehmerländern wird der Kaffee geröstet und veredelt. Oft werden dazu unterschiedliche Lieferungen aus vielen Ländern gemischt, um einen gleichbleibenden Geschmack zu erreichen.

Über Hamburg kommt der Kaffee nach Europa

Wichtigste Häfen für die Kaffeelieferungen nach Europa sind neben Hamburg auch Bremen oder das belgische Antwerpen. Zwischen den großen internationalen Kaffeefirmen wie Nestlé, Starbucks oder Jacobs Douwe Egberts herrscht scharfer Wettbewerb - auch das lässt immer wieder die Preise purzeln.

Fairtrade ist gut, aber ...

Abhilfe gegen Preisschwankungen kann fair gehandelter Kaffee leisten, er trägt das sogenannte Fairtrade-Label. Aber es gibt Kritik: "Faitrade ist gut, aber es ist nur ein bisschen besserer Weg in einem unfairen Markt", sagen Aktivisten der "Kaffee-Kooperative". Sie fordern, die Veredelung von Kaffeebohnen müsse in den Ernteländern geschehen. Erst damit sei wirklich Geld zu verdienen."

Quelle: https://www.dw.com/de/%C3%A4thiopien-kaffeebauern-in-der-krise/g-47092497